Die Weiterbildungslandschaft in Unternehmen hat in den vergangenen Wochen einen beispiellosen Umbruch erlebt. Durch die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus wurden in den meisten Unternehmen alle geplanten Präsenzschulungen abgesagt. Als klar wurde, dass es auch in den nächsten Tagen und Wochen keinen normalen Trainingsbetrieb geben wird, haben viele Unternehmen begonnen verstärkt auf Webinare zu setzen.

Da Webinar für viele Unternehmen und Mitarbeiter noch nicht sehr vertraut sind, ist es hier ganz besonders wichtig, auf die Qualität dieser zu achten: Wer sein erstes Webinar als Chaos, umständlich und unnötig erlebt hat, wird sich in Zukunft nur sehr schwer davon überzeugen lassen, dass das nächste Webinar hilfreich sein wird. Webinare sollten daher immer evaluiert werden.

Bei der Evaluation von Webinaren sollten drei zentrale Unterschiede von Präsenzveranstaltungen zu Webinaren besondere Beachtung finden: Die Dauer eines Webinars, die Methode des Webinars und die Technik.

Die Dauer eines Webinars

Im Unterschied zu klassischen Präsenzschulungen sind Webinare meist vergleichsweise kurz. Wer es einmal erlebt hat, dass ein ausgefallenes acht Stunden Präsenztraining 1 zu 1 in eine Onlineveranstaltung übersetzt wird, weiß warum. Es fällt Teilnehmern deutlich schwerer die Konzentration in einem virtuellen Setting über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Dadurch haben Webinare zumeist eine Länge von 20 bis 90 Minuten. In der Evaluation muss daher unbedingt darauf eingegangen werden, ob der zeitliche Umfang richtig gewählt war. Um diese kurze Zeit möglichst effektiv nutzen zu können, sollten die Teilnehmer bereits vor der Maßnahme eine klare Vorstellung davon haben, was Sie im Webinar erwartet. Gleichzeitig sollte über geeignete Arbeitsmaterialien sichergestellt werden, dass die Teilnehmer die Inhalte selbst vertiefen oder in Erinnerung rufen können

Der kürzere Umfang eines Webinars hat aber auch noch eine ganz andere Auswirkung: Wer nur 45 Minuten in einem Webinar verbracht hat, möchte danach keine 10 Minuten für einen Evaluationsbogen aufwenden. Die Evaluation sollte daher sehr schnell und einfach zu beantworten sein.

Methode des Webinars

Auch in Webinaren können – dank den immer besser werdenden Webinar-Systemen – ganz unterschiedliche Methoden verwendet werden. Realistisch betrachtet muss man allerdings zugeben, dass der klassische Frontalunterricht hier dominiert, oft ergänzt durch die Möglichkeit Fragen zu stellen oder eine kurze Diskussion zu führen. Um die Konzentration und Motivation der Teilnehmer zu erhalten muss das Webinar daher besonders interessant gestaltet sein.

Auch wenn durch die neue Homeoffice-Realität Videokonferenzen plötzlich mehr und mehr zur Gewohnheit werden, finden viele Webinare noch ohne Video, oder nur mit dem Video des Dozenten statt, das häufig nur klein neben einer Präsentation eingeblendet ist. Gestik und Mimik sowohl zur Unterstützung der Erläuterungen aber auch als Verständnis-Feedback an den Dozenten fallen daher zum Teil oder gänzlich weg. Eine anschauliche Erklärung wird für den Dozenten damit noch wichtiger.

Technik

Nicht vergessen werden darf natürlich die technische Komponente, die plötzlich einen so großen Teil unseres Lernerlebnisses ausmacht. Die schon fast obligatorischen Fragen „Hören sie mich“ und „Sehen sie meinen Bildschirm“ zu Beginn eines Webinars machen dies ganz besonders deutlich. Als Teil der Evaluation sollte daher unbedingt erfasst werden, ob die Teilnehmer mit der Technik zurechtgekommen sind.

Gerade durch die Unsicherheit, die bei vielen Teilnehmern durch die Technik hervorgerufen wird, gibt es hohe Ansprüche an die Organisation des Webinars. Wann erhalte ich den Zugangslink? Wie groß darf/sollte die Gruppe sein? Wie erhalte ich Unterlagen im Nachgang? Sind nur einige der Fragen von Teilnehmern an Webinaren.

Ergänzt werden sollten diese Besonderheiten in der Evaluation eines Webinars durch Fragen zum Ergebnis für die Teilnehmer. Wobei dies natürlich nur als vorläufiges Ergebnis anzusehen ist, denn auch bei einem Webinar sollte man den Transfer des Gelernten befragen, dies kann aber erst zeitversetzt erfolgen, wenn die Teilnehmer auch wirklich Zeit und Gelegenheit hatten die Inhalte umzusetzen. Als pragmatische Lösung kann hier auch der Transfer mehrerer Webinare in einer zeitversetzten Befragung erfasst werden, wobei bei der Evaluation des Transfers nicht mehr zwischen Webinaren und Präsenzschulungen unterschieden werden muss.

Abschließen sollte man auch die Evaluation eines Webinars durch eine offene Frage, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben Verbesserungsvorschläge einzubringen und Punkte unterzubringen, die aufgrund der Effizienz des Fragebogens nicht einzeln thematisiert wurden.

Um Ihnen die Evaluation von Webinaren zu erleichtern, haben wir uns entschieden unseren Musterfragebogen nicht nur unseren Kunden im System zur Verfügung zu stellen, sondern diesen auch hier im Blog freizugeben. Sie können diesen hier als PDF herunterladen.

Der Fragebogen basiert aus unserer bewährten Kombination aus Forschungsergebnissen (Wer sie noch nicht kennt, findet hier die Ergebnisse unseres letzten Forschungsprojektes) und Alltags-Pragmatismus in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Wer noch nach Hinweisen sucht, was ganz grundsätzlich bei der Erstellung von Evaluationsbögen zu beachten ist, wird hier fündig.

Bleiben Sie gesund in dieser besonderen Zeit!