Was ist neu? Revision der ISO:9001:2008 zur ISO:9001:2015

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

 

Allgemein werden Revisionen der ISO 9001 umgesetzt, damit das Qualitätsmanagementsystem sich den neuen Anforderungen anpasst und Unternehmen somit auch weiterhin schnell und flexibel auf Veränderungen und neue Anforderungen reagieren können.

Im September 2018 haben die alten Zertifikate, die auf die ISO 9001:2008 gründen, ihre Gültigkeit verloren. Daher wollen wir an dieser Stelle explizit auf die wichtigsten Änderungen eingehen.
Gegenüber der DIN EN ISO 9001:2008 wurde die Bestimmung des Kontextes der Organisation als neuer Begriff in die ISO 9001:2015 eingefügt, bei dem es sich um das Umfeld, in das die Organisation eingebettet ist, handelt. Dieser Kontext der Organisation umfasst sowohl externe als auch interne Einflussfaktoren, die auf das Unternehmen wirken und die Zielerreichung beeinflussen können. Rechtliche oder technologische Veränderungen, soziale und kulturelle Aspekte, Trends, neue Kundenwerte sowie das Wettbewerbs- und Marktumfeld sind einige Beispiele für zu berücksichtigende externe Faktoren. Zu den internen Aspekten zählen beispielsweise unternehmensinterne Werte, Unternehmens- und Führungskultur, Mitarbeitermotivation sowie die Leistungsfähigkeit oder Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz. Es geht um das Verstehen und Analysieren des eigenen Unternehmens.
Die „neue“ Norm fordert, dass diese Einflussfaktoren identifiziert und regelmäßig überprüft werden sollen. Das heißt, die Organisation muss externe und interne Themen, die für ihre strategische Ausrichtung relevant sind, definieren, um die beabsichtigten Ergebnisse zu erreichen. Außerdem müssen alle interessierten Parteien, die für das Qualitätsmanagementsystem des Unternehmens bedeutsam sind sowie deren Anforderungen bestimmt werden. Unter diesen interessierten Parteien versteht die neue ISO 9001:2015 Anspruchsgruppen bzw. Personen mit einer (möglichen) beeinflussenden Wirkung auf die Organisation und dessen Qualitätsfähigkeit, wie beispielsweise Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter oder Investoren.

Risikomanagement

Das Risikomanagement bzw. der „risikobasierte Ansatz“ war zwar schon immer in der ISO 9001 enthalten. Mit der neuen ISO 9001:2015 wird der Aufbau eines Risikomanagements allerdings zu einer konkreten Anforderung.
Da Unternehmen jeden Tag gezwungen sind, Entscheidungen zu treffen und die daraus entstehenden Risiken einzuschätzen, werden Organisationen künftig dazu aufgefordert, systematisch mit Chancen und Risiken umgehen zu können. Denn das Erkennen von Chancen und Risiken bildet die Basis für eine Steigerung der Wirksamkeit des Qualitätsmanagements.

Für die Praxis heißt das, externe & interne Einflussfaktoren, Anforderungen der Stakeholder sowie Risiken & Chancen zu bestimmen, die ausgeführt werden müssen, um mögliche Risiken verringern bzw. zu verhindern, Chancen aktiv zu nutzen sowie Verbesserungen erreichen zu können. Natürlich heißt Risikomanagement nicht, dass alle Risiken komplett verhindert und ausgegrenzt werden sollen.

PDCA-Modell

Eine weitere Neuerung der ISO 9001:2015 ist die Stärkung des prozessorientierten Ansatzes, der das PDCA-Modell sowie risikobasiertes Denken umfasst und es einer Organisation ermöglicht, ihre Prozesse und deren Wechselwirkungen zu planen, um dadurch ihre Leistung zu verbessern. Obwohl die ISO 9001:2008 bereits die Prozessorientierung beinhaltete, wurde diese in der neuen ISO 9001:2015 noch stärker hervorgehoben.
Für die Praxis heißt das, dass Unternehmen alle Prozesse und deren Wechselwirkungen sichtbar machen und verschriftlichen müssen, um sie gestalten und später auch optimieren zu können. Des Weiteren muss die Organisation dokumentierte Informationen aufrechterhalten und aufbewahren, um die Durchführung ihrer Prozesse zu unterstützen. Trotzdem verlangt die neue Norm nicht explizit ein Prozessmanagement.

In Bezug auf Rollen, Verantwortlichkeiten und Befugnissen in der Organisation bringt die Revision ebenso Veränderungen mit sich. Obwohl jeder in einer Organisation vom Qualitätsmanagement betroffen ist, benötigt ein Qualitätsmanagementsystem klar definierte Rollen, die den Aufbau sowie die Aufrechterhaltung des Systems sichern. Der sogenannte Qualitätsbeauftragte, der die zentrale Person und Funktion innerhalb eines Qualitätsmanagementsystems nach der ISO 9001 einnimmt, wurde bis zur aktuellen ISO 9001:2015 explizit von der Norm gefordert. Seit Inkrafttreten der Revision ist dies jedoch nicht mehr der Fall. Stattdessen werden diese Aufgaben künftig an die oberste Leitung abgegeben, die diese jedoch an eine oder auch mehrere kompetente Personen delegieren kann. Diese Person bzw. Personen haben u.a. die Aufgabe, dass das Qualitätsmanagementsystem den Anforderungen der ISO 9001:2015 entspricht und dass die Prozesse ihre gewünschten Ergebnisse erzielen. Als wichtigste Verantwortung gilt jedoch, die Einbeziehung der Kundenanforderungen in das Bewusstsein des ganzen Unternehmens.

Außerdem erwartet die neue ISO 9001 eine aktivere Haltung sowie ein klares Bekenntnis der Führungsebene gegenüber dem Qualitätsmanagement, da das System nur funktionieren kann, wenn die oberste Leitung mit gutem Beispiel vorangeht und sich aktiv einbringt. Ein aktives Vorleben durch die Führungsebene wird nun explizit gefordert. Die Führungskräfte müssen also das Qualitätsmanagementsystem überwachen sowie eine Qualitätsstrategie definieren, diese bewerten und aufrechterhalten. Diese Strategie muss sowohl intern als auch extern an alle Stakeholder kommuniziert sowie allen Mitgliedern zugänglich gemacht werden. Auch im Hinblick auf die Kundenorientierung muss die oberste Leitung Verpflichtung zeigen, indem sie sicherstellt, dass der Kunde immer im Fokus aller Aktivitäten steht, sowie die Kundenzufriedenheit aufrechterhalten werden muss.
Außerdem sind erstmalig Anforderungen zum Wissensmanagement enthalten, da Wissen immer mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Unternehmen und Organisationen werden also dazu veranlasst, das Wissen, das benötigt wird, um Prozesse durchzuführen sowie die Konformität von Produkten und Dienstleistungen zu erreichen, zu bestimmen. Des Weiteren muss das Wissen aufrechterhalten und zur Verfügung gestellt werden. Bei dem Aspekt der Aufrechterhaltung des Wissens kann eine Verbindung zur Personalentwicklung hergestellt werden. Denn aufrechterhalten heißt hier, Wissen aktuell und valide zu halten, d.h. kontinuierlich weiterzuentwickeln. Durch die Personalentwicklung wird das implizite Wissen nicht nur bei einzelnen Mitarbeitern entwickelt, sondern organisatorisch im Unternehmen verankert und somit zu explizitem Wissen transformiert.

Auch hier noch einmal das Wichtigste in Kürze:

Die Neufassung der ISO 9001 von 2015 trat im September 2018 in Kraft. Wer die Zertifizierung auch in Zukunft verwenden möchte, muss sich daher schnellstmöglich mit den Neuerungen der ISO 9001:2015 auseinandersetzen. Das heißt, sich mit den Themen Organisationskontext, Risiko- und Prozessmanagement sowie der veränderten Rolle der obersten Leitung und dem Wissensmanagement zu befassen und diese zu berücksichtigen. Doch wie wirkt sich diese Revision auf die Weiterbildung und Personalentwicklung aus? Dazu mehr in unserem nächsten Beitrag